Revierkohle plädiert wiederholt für den Erhalt einer Schachtanlage als Forschungszeche 
Am 4.5.2011 hat in einer Nacht-und-Nebel Aktion die Bundesregierung den Ausstieg aus dem subventionierten Deutschen Steinkohlenbergbau bis 2018 beschlossen und die im Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 festgeschriebene Revisionsklausel gekippt. Diese wurde seinerzeit in das Gesetz mit aufgenommen als Kompensation für das Einverständnis der IGBCE zu weiteren -politisch gewollten- Stilllegungen von Schachtstandorten. Eine Überprüfung des Ausstiegs aus dem Ausstieg durch externe Experten findet nun nicht mehr statt. Offensichtlich hat sich die Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel (CDU) zu dieser katastrophalen Entscheidung durchgerungen, weil sie glaubte, so die EU besänftigen zu können, nachdem diese ein Ende des subventionierten Steinkohlenbergbaus bereits für 2014 gefordert hatte. Der zuständige EU-Energiekommissar Öttinger hatte bei den entscheidenden Vorverhandlungen übrigens durch Abwesenheit geglänzt.
Damit geht eine über 150jährige Industriegeschichte in Deutschland verloren. Und nicht nur das: es droht ein Verlust von weiteren 25.000 Arbeitsplätzen samt qualifizierten Ausbildungsplätzen in strukturschwachen Regionen des Reviers (Bottrop, Ibbenbüren, Marl, Ensdorf, Kamp-Lintfort) sowie der Abgang hochspezialisiertem ing.-wissenschaftlichem Know-How. Wenn 2018 die letzte Zeche geschlossen und der letzte Schacht verfüllt sein wird, dann werden die Kohlenlagerstätten absaufen. Damit wäre der Zugang zu diesen unwiederruflich verloren. Und das würde gleichzeitig bedeuten, daß die Politik den Verlust von Rohstoffvorräten, die in NRW für über 300 Jahre noch vorhanden ist, billigend in Kauf nimmt. Getreu unserem provokanten Werbetitel: "Billigimportkohle ist billig, weil Kinderarbeit auch so schön billig ist." Dieser Skandal geht übrigens zum Großteil auf das Konto der FDP. Gott sei Dank, daß diese Partei politisch nunmehr in die Bedeutungslosigkeit abrutscht.
An die politisch und ideologisch unvoreingenommen Politker im Bund und in den Ländern plädieren wir 6 Jahre vor dem endültigen Aus des deutschen Steinkohlenbergbaus: macht es Euch nicht so leicht! Die Kosten für die Stromerzeugung muß trotz gewünschtem Ausbaus der regenerativen Energieträger für alle Menschen bezahlbar bleiben. Und das gilt erst recht für die energieintensive Wirtschaft. Wir sind und wir wollen eine Industrienation bleiben. Denn nur so läßt sich der Wohlstand und anständige Arbeitsplätze auf Dauer sicherstellen. Daher plädieren wir für den Erhalt von mindestens einer Schachtanlage als Forschungszeche. Wir schließen uns mit dieser Forderung der NRW-Landesregierung und dem Verband der Bergbaumaschinenhersteller an. Diese hatten sich unserer Forderung auf einem Branchentreffen im Dez. 2010 auf der Zeche Zollverein in Essen angeschlossen. Von wem die Kosten in Höhe von rd. 2-5 Mio. pro Jahr für die Aufrechterhaltung des Förderbetriebs getragen werden sollen, ist noch offen. Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD-Landesregierung NRW) zeigte sich gesprächsbereit. Wir werden uns jedenfalls auf der politischen Ebene weiterhin aktiv für den Erhalt eines Sockelbergbaus einsetzen. Das sind wir unseren verdienten Kumpels und unseren Mitgliedern schuldig.
vgl.hz. a. WAZ vom 2.12.2010 und Revierkohle vom 4.06.2011
